Per aspera ad astra

Per aspera ad astra

Das fundamentale Problem, welchem sich Privatleute und Kleinunternehmer bis hin zu Leitern großer Betriebe ausgesetzt sehen (manchmal leider auch nicht), ist das Missverhältnis ihrer operativen Arbeit, die „mit der Hand am Arm“ erfolgt und dem Großen – der langfristigen Vision.

Ich bin der Auffassung, dass es hierfür aus beiden Perspektiven jeweils eine hauptsächliche Ursache gibt: ist jemand dauernd nur mit seiner alltäglichen Arbeit beschäftigt – was sogar jedoch ein kritischer Faktor für den Erfolg auf lange Sicht ist, wie ich gleich herausstellen werde – liegt das meistens daran, dass sein ungefiltertes Handeln der Situation dient. Das meint, dass für die Person die gegenwärtigen Vorteile gegenüber den langfristigen Zielen deutlich überwiegen. Darum kommt es immer wieder zu Situationen, in denen Entscheidungen so gefällt werden, dass die Person subjektiv in diesem Moment einen größeren Nutzen erfährt. „Zoomt“ man jedoch aus der Situation heraus, wird oft klar, dass die soeben getroffene Entscheidung einen langfristigen Pfad verschlossen hat, zumindest aber beeinträchtigt, nur um gegenwärtig einen kleinen Vorteil herauszuschlagen. Hier fängt die Veränderung mit folgendem an: dem Willen zur Veränderung. Dabei muss man einen Schritt zurücktreten und die aktuelle Situation versuchen, „von außen zu beobachten“. Anschließend sollte sich die Frage gestellt werden, welche Handlungen in der Gegenwart den Output in der Zukunft positiv beeinflussen, auch wenn dabei gegenwärtig Kollateralschäden entstehen. Das Problem mit dem sich nahezu alle Unternehmen konfrontiert sehen, ist die Allokation der Ressourcen durch die Kunden. Dabei bestimmen diese durch ihre Wünsche, Anforderungen und Käufe, wie Unternehmen ihre zur Verfügung stehenden Mittel gebrauchen. So wird üblicherweise in solche Produkte/Dienstleistungen etc. investiert, die Kunden aktuell begehren. Genau diese Fremdbestimmung ergibt die Problematik, dass Unternehmer dem Kunden geben was er will. Es gibt jedoch Situation, in denen es von Vorteil ist, wenn Kundenwünsche ignoriert werden und man den Fokus nach hinten auf ein weiter entferntes, größeres Ziel setzt, welches nicht unbedingt mit den Zielen übereinstimmt, die daraus resultieren, wenn man akute Kundenwünsche befriedigen möchte. Viele Unternehmer werden jetzt sagen „wie sollen wir denn unser Geld verdienen, wenn wir Dinge herstellen, die Kunden nicht kaufen wollen?“. Auch ich halte diesen Einwurf für gerechtfertigt. Abhilfe in der Praxis kann jedoch schaffen, wenn man die Unternehmensbereiche, die sich mit dem befassen, was Kunden in Zukunft verlangen werden, als kleine Einheiten aus dem etablierten Alltagsgeschäft auslagert und somit eine Ressourcenunabhängigkeit schafft. Dies hat zwei Vorteile: einerseits kann das übliche Geschäft fortgeführt werden und Cashflow (u. a. zur Finanzierung der neuen Bereiche) wird weiterhin generiert und andererseits kann in den ausgelagerten Einheiten mit dem experimentiert werden, was die Zukunft mit sich bringt. Hier sollte es das Ziel sein, Produkte zu schaffen, von denen die Kunden gegenwärtig noch gar nicht wissen, dass sie zukünftig ein Bedürfnis danach haben werden. Ein gutes Beispiel aus der Praxis bietet hierfür das Stahlverarbeitungsunternehmen Klöckner & Co. SE. Es ist dabei, sich und damit die starre Industrie der Stahlverarbeitung zu digitalisieren, indem es u .a. den Unternehmensbereich, der sich eben damit befasst in eine strategische Einheit getrennt ausgelagert hat. Diese Unabhängigkeit ermöglicht eine unbefangene Denkweise und lässt zu, dass Neues, abseits der etablierten Strukturen, geschaffen werden kann.

Die Ursache dafür, dass das Leute nur eine große Vision vor Augen haben und nicht praktisch an ihr arbeiten, liegt oft darin begründet, dass sie zu faul sind ein strategisches Ziel operativ zu untergliedern und abzuarbeiten, sie schlicht und einfach die dazu nötige Fähigkeit nicht haben, die notwendigen Schritte umzusetzen oder sie, so paradox das auch klingen mag, Angst haben zu gewinnen. Für erstgenannte Ursache kann eine klar strukturierter Vorgehensplan Abhilfe schaffen. Dabei sollte zunächst das langfristige Leitbild, was für eine Perspektive von 5-10 Jahren nicht verändert wird, aufgeschrieben (!) werden. Anschließend sollte dieses Leitbild – so trivial es auch klingt – in Jahresabschnitte untergliedert werden. Dies sollte weitergeführt werden, bis man die Ebene von Wochenplänen erreicht. Man sieht: so wird aus einem verschwommenen Ziel, dass in ungreifbarer Nähe scheint ein klar gegliederter Plan mit selbstgeschaffenen Handlungsanweisungen. Fehlen hingegen die Fähigkeiten, sollte man professionelle Hilfe einfordern – sei es auf persönlicher Ebene von einem Mentor oder von jemandem, der selbiges gemeistert hat. Bei der Furcht etwas Großartiges erreichen, was eher der Deckmantel für die Angst vor dem Fall ist, hilft nur eines: überwinden und machen!

Was mir immer wieder auffällt ist, dass langfristiger Erfolg wirklich nur dann erreicht werden kann, wenn beide Komponenten ausreichend berücksichtigt werden. Es reicht nicht aus, entweder nur hart zu arbeiten, ohne ein Ziel vor Augen zu haben, denn dann verläuft die Arbeit durch ihre Zerstreuung in verschiedene Gebiete im Sand, noch sich einer langfristigen Vision zu verschreiben, ohne praktische Initiative zu ergreifen. Notwendig hierfür ist ein langfristiges Ziel aufzustellen, welches als Leuchtturm allen Tuns dienen soll und anschließend eng auf dieses Ziel fokussiert die Arbeit zu erledigen, die dafür nötig ist, um eben dieses zu erreichen. Man sollte, so finde ich, nach dem Leitspruch „per aspera ad astra“ – durch das Raue zu den Sternen – arbeiten, um zu verinnerlichen, dass es nicht möglich sein wird, ohne die tägliche Arbeitsroutine einen langfristigen Horizont zu erreichen und rückkoppelnd, dass jede Arbeit fruchtlos bleibt, wenn man seinen eigenen Leuchtturm in der Ferne nicht leuchten sieht.

 

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