Umdenken bei Bewerbungen

In den letzten Wochen habe ich viele Unterhaltungen mitbekommen, in denen es um die Wahl des Arbeitgebers ging. Viele der Leute fragen sich, wer der richtige Arbeitgeber für einen selbst ist, sodass man sich mit ihm identifizieren kann.

Auch die Frage, wie man diesen findet ist oft ein Buch mit sieben Siegeln. Da ich bemerkt habe, dass oft das Unternehmens-Prestige und zukünftiges Gehalt einen der vorderen Ränge belegen, möchte ich in fünf Punkten ein kurzes Plädoyer für eine etwas andere Herangehensweise bei der Suche des Arbeitgebers bieten.

Es natürlich schwierig im Dschungel der Vielzahl von Arbeitgebern den zu treffen, der zu einem passt. Daher bieten große Unternehmen mit ihrer starken Präsenz durch Werbung in unserem Alltag oft Orientierung. Natürlich liegt nahe, sich bei diesen Unternehmen zu bewerben, da man etwa abschätzen kann, was einen erwartet und zusätzlich aufgrund der schieren Unternehmensgröße eine gewisse Arbeitsplatzsicherheit gewährleistet ist.

Auch ich habe mich für mein erstes Praktikum im Studium bei den Großen beworben. Auf die zahlreichen Bewerbungen kamen dementsprechend zahlreiche Absagen. Lange habe ich überlegt, was die Ursache hierfür ist. Meine Studienleistungen zu dieser Zeit konnten nicht der Grund sein – schon eher die fehlenden zehn Jahre Berufserfahrung im Alter von 20 Jahren. Trotzdem war ich mir sicher, dass „der Fehler im System“ lag, ich also anscheinend nicht in die Struktur von Konzernen passte. Also habe ich begonnen, mich auch bei kleineren Unternehmen zu bewerben, die nicht eine solche Flut an Bewerbungen erhalten wie die Großkonzerne, die ich vorher im Fokus hatte.

Und siehe da: es kamen positive Rückmeldungen. Letztendlich habe ich das Praktikum bei einem Start-Up angefangen. Es war nicht das, was ich mir zu Beginn vorgestellt hatte doch rückblickend kann ich sagen, dass mich der Markt in die richtige Richtung gelenkt hat. Ich habe Einblicke in die fundamentale Funktionsweise eines Unternehmens erhalten, konnte Vorgänge verfolgen und die eigenen Handlungen hatten sofortige Durchschlagswirkung.

Logischerweise muss man in einem Unternehmen kleiner Größe mit anpacken, wo es brennt, aber nur durch diesen Sprung ins kalte Wasser lernt man alle aufkommenden Probleme zu lösen. Paradoxerweise wird man in großen Unternehmen oft nur in einem klar abgegrenzten Teilbereich eingesetzt, in dem man nicht viel von Prozessen mitbekommt, die einem im zukünftigen Job helfen, da sie so speziell sind. Daher lautet mein erster Tipp:

  • Bewerbt euch bei kleinen Unternehmen – es gibt eine Menge zu lernen!

Viele Leute nehmen diese Chance aber nicht war, weil es ihnen, wie einleitend erwähnt, wichtiger ist in einem Unternehmen zu arbeiten, dass jeder kennt, damit man im Familien- und Freundeskreis einen guten Ruf genießt. Was dabei aber oft vergessen wird, ist, dass man in Kleinunternehmen näher an den Entscheidungsträgern sitzt, die einem sicherlich nicht das höchste Gehalt zahlen. Jedoch viel mehr anwendbares Wissen vermitteln können und eher zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, als das es Großsysteme können. Man könnte auch sagen:

  • Die Arbeit lernt man am besten vom Meister selbst

Wer Dutzende von Bewerbungen geschrieben hat, weiß, wie wichtig es ist aufzufallen. Am effektivsten erreicht man dies, indem man dem Unternehmen einen Mehrwert schafft, der gleichzeitig die eigenen Fähigkeiten zur Schau stellt. Bewirbt man sich beispielsweise im Marketingbereich, wie wäre es dann mit einer selbst entworfenen (kurzen) Werbungekonzept für eine Social-Media-Plattform, die das Unternehmen noch nicht nutzt oder einem Video als Bewerbung, in dem man seine Stärken und Schwächen durch Filmen eigener Alltagssituationen herausstellt?

Mit einer 08/15-Bewerbung stehen die Chancen sich durchzusetzen bei 1:100 (bzw. 1:Anzahl der Personen, die sich auf eine Stelle bewerben). Fällt man jedoch auf, stehen die Chancen bei 1:1 (man gefällt dem Personaler oder man gefällt ihm nicht) Also lautet die Devise:

  • Auffallen um zu gefallen

Sinnvoll ist es ebenfalls die Personalverantwortlichen oder Geschäftsführer direkt zu kontaktieren: findet die Telefonnummer heraus und fragt nach, worauf bei der Bewerbung in diesem Unternehmen zu achten ist etc. So habt ihr durch das persönliche Gespräch einen Anknüpfungspunkt im Anschreiben. Ich habe beispielsweise mal ein Seminar besucht und vorher meine Bewerbungsunterlagen vorbereitet. Auf dem Seminar habe ich den Referenten gefragt, ob es möglich sei ein Praktikum in seinem Unternehmen zu machen. Nach einem überzeugenden Gespräch und Sichtung meiner Unterlagen habe ich den Zuschlag erhalten. Vorteilhaft war, dass ich auf direktem Wege mit der Person sprechen konnte. Die Vorteile hierbei waren die persönliche Kommunikation und das Umgehen des üblichen, oft zähen Bewerbungsprozesses. Daher finde ich, dass es wichtig ist, die Standard-Bewerbungspfade zu vermeiden, wo immer es geht.

Um beim Thema Mehrwert zu bleiben, habe ich auch gute Erfahrungen damit gemacht seine eigene Arbeitskraft zumindest anfangs kostenlos zur Verfügung zu stellen. Natürlich soll niemand auf Dauer umsonst arbeiten, man kann dem Arbeitgeber jedoch anbieten, anfängliche Tätigkeiten umsonst zu machen. Seien es die ersten zehn Steuererklärungen, wenn man eine Stelle beim Steuerberater erhalten möchte oder das Pflegen der Social Media-Kanäle eines Unternehmens, das sonst keine Kapazitäten hierfür frei hat. Geht man solche Kompromisse ein, erhält man oft Gehör, da die Unternehmen dann ja nichts zu verlieren haben, sie lediglich gewinnen können. Das Geld was euch dabei opportun als Arbeitszeit „verloren geht“, ist dabei gut investiert, da die Jobaussichten durch solche Handlungen überproportional steigen. Es gilt:

  • Umsonst ist nicht umsonst – das Geld kommt hinterher

Als letzten Punkt möchte ich einige Sätze zur Reihenfolge der Bewerbungen schreiben. Da man anfangs nicht weiß, wie hoch die Qualität der eigenen Bewerbung ist, ist neben der formalen Korrektheit ratsam, diese am Markt an zu testen. Die in meinen Augen beste Möglichkeit hierfür die Bewerbungen in umgekehrter Reihenfolge bzgl. der Wunsch-Stelle zu versenden.

  • Die Ersten sollen (beim Kontakt) die Letzten sein

Das bedeutet möchte man bei Firma A, B und C bewerben, versendet man seine erste Bewerbung an das Unternehmen, an dem man das geringste Interesse hat (z.B. C). Anschließend arbeitet man die Resonanz aus diesem Bewerbungsverfahren in die Bewerbung für die Stelle beim nächsten Unternehmen (z.B. B; dann A) ein. Somit hat man seine Bewerbung (inkl. Lebenslauf, bei dem man Aspekte je nach Stelle hervorheben kann) verbessert und kann diese an das präferierte Unternehmen mit nun gesteigerten Erfolgsaussichten verschicken.

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