Weshalb Banken sich verschulden

Trotzdessen, dass Banken gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine hohen Eigenkapitalquote (EKQ) hatten und obwohl sich nach Finanzkrisen die Kapitalquote bei Banken für eine gewisse Zeit  erhöht hat, so ist doch im Trend ein Abfall der Kapitalquote zu verzeichnen.

Wie aus empirischen Daten hervorgeht, ist die Kapitalquote seit Ende des 19. Jahrhunderts deutlich gefallen. 1870 hatten Banken knapp 30% EIgenkapital. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieses um annährend ein Drittel abgebaut. In den letzten beiden Jahrzehnten lag die Kapitalquote lediglich zwischen fünf und zehn Prozent (Vgl. Jordà et al (2017): 7 f.).

Einen Beitrag zu dieser Entwicklung liefert die Risikostreuung durch Diversifikation der Finanzprodukte. Die sinkende Kapitalquote gründet des Weiteren in der Tatsache, dass im Rahmen des fortgeschrittenen Lebenszyklus der Banken, durch diverse Instrumente ein höherer Hebel des eingesetzten Inputs und somit eine bessere Absicherung gegen Diskontinuitäten im Finanzmarkt durchgesetzt werden konnte (Vgl. Jordà et al. (2017): 8/Kroszner (1999): 572 ff.).  Auch ist die abnehmende Kapitalquote  durch staatliche Eingriffe in den Markt in Form von Einlagesicherungsgarantien gegenüber den Bankkunden herbeigeführt. Dieser Umstand erlaubt es Banken, Kapital zu geringen Zinssätzen aufzunehmen, da im Falle einer drohenden Insolvenz das zugesagte „Sicherheitsnetz“ des Staates greift (Vgl. Jordà et al. (2017): 9). Die so herbeigeführte Senkung der privaten Kosten von Finanzinstituten hat jedoch im Falle des tatsächlichen Auftretens von Finanzkrisen zufolge, dass zur Erhaltung der jeweiligen Banken sozialen Kosten entstehen. Im Subventionsfall sind sie von einer Volkswirtschaft und somit von Steuerzahlern zu tragen (Vgl. Adamti et al. (2013): 21 ff.).

Auch ist die stetige Abnahme der Kapitalquote auf regulatorischer Ebene der Einlagensicherung zuzuschreiben (Vgl. Jordà et al. (2017): 9). Hierbei werden bis zu einem bestimmten Betrag Garantien dafür übernommen, dass die Einlagen der Anleger im Falle diskontinuierlicher Ereignisse wie eben Finanzkrisen oder Bank Runs (Vgl. Diamond/Dybvig (1983): 401 ff./ Admati/Hellwig (2014): 94) erhalten bleibt. All die genannten Faktoren, die zur Senkung der EKQ geführt haben, bringen jedoch den negativen Aspekt mit sich, dass Banker dazu geneigt sind, ihre Risikoaffinität zu steigern, ausgehend von der Annahme, potenziell auftretende Schäden im Finanzsystem und der Wirtschaft werden von Gläubigern, deren Versicherungen und vom Staat durch Subventionen abgefangen, um Rezessionen oder gar Krisen zu vermeiden (Vgl. Admati/Hellwig (2014): 267 f.).

Quellen:

Adamti et al. (2013): Fallacies, Irrelevant Facts, and Myths in the Discussion of Capital Regulation: Why Bank Equity is not Socially Expensive. Diskussionspapier.

Admati/Hellwig (2014): Des Bankers neue Kleider. Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss, 3. Auflage. München: Verlag Finanzbuch.

Diamond/Dybvig (1983): Bank Runs, Deposit Insurance, and Liquidi-ty. In: The Journal of Political Economy, 91 (3): 401-419.

Jordà et al. (2017): Bank Capital Redux: Solvency, Liquidity, and Crisis. Diskussionspapier.

Kroszner (1999): The Impact of Consolidation and Safety-Net Support on Canadian, US and UK Banks. In: Journal of Banking and Finance, 23: 572-577.

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